Aufsichtsratswahlen



Schreiben an die Delegierten für die Wahl der

Arbeitnehmervertreter im SAP-Aufsichtsrat am 23.04.2007

Sehr geehrte Delegierte,

am 23. April 2007 entscheiden Sie in freien und geheimen Wahlen darüber, wer dem künftigen SAP-Aufsichtsrat auf der Arbeitnehmerseite angehören wird. Wir beide bewerben uns dabei auf einer gemeinsamen Liste von IG Metall und ver.di um die zwei Sitze, welche das Mitbestimmungsgesetz bei einem 16-köpfigen Aufsichtsrat für "Vertreter von Gewerkschaften" vorsieht. Auf unserer Website www.wedde-schwemmle.de finden Sie nähere Informationen zu unseren Personen und unseren Motiven für diese Kandidatur.

Bekanntermaßen sind wir nicht die Einzigen, die um Ihre Unterstützung werben. Aber im Vergleich mit sämtlichen anderen KandidatInnen für die Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat weisen wir zumindest ein Alleinstellungsmerkmal auf: Wir sind keine Beschäftigten der SAP, sondern die einzigen tatsächlich "Externen". Das ist per se noch kein Verdienst und selbstverständlich kann es keinen Zweifel daran geben, dass unternehmensspezifisches Know-How und das Wissen darum, wie SAP "tickt", für eine kompetente Aufsichtsratsarbeit völlig unabdingbar sind. Deshalb werden dem SAP-Aufsichtsrat auf der Arbeitnehmerbank ja auch aus guten Gründen sechs "Interne" angehören. Unser Angebot an Sie ist nun allerdings, die Kompetenzen dieser Kolleginnen und Kollegen durch unseren Sachverstand und ganz besonders durch unseren Blickwinkel als Externe zu ergänzen. Auf Seiten der Anteilseigner ist ein solches Zusammenspiel in vielen Aufsichtsräten - auch bei SAP - seit jeher gang und gäbe. Allein schon der Paritätsgedanke spricht deshalb dafür, dies auch auf der Arbeitnehmerbank entsprechend zu handhaben.

Warum wäre eine solche Mischung aus sechs Internen und zwei Externen sinnvoll? Weil sich die Zeiten für SAP geändert haben und weil sie sich weiter ändern werden. "Die heutige SAP ist nicht die SAP von früher", hat Léo Apotheker im Gespräch mit der Financial Times Deutschland (05.03.2007) gesagt - und er hat damit ganz sicher Recht. Der Wettbewerbsdruck ist größer geworden, die Internationalisierung wird weiter forciert, vor allem aber gerät das Unternehmen immer stärker ins Blickfeld von Finanzinvestoren, die, auf kurzfristige Höchstrenditen orientiert, mit einer nachhaltigen Unternehmensentwicklung, wie sie für SAP stets typisch war, nur wenig am Hut haben. Und nicht zuletzt hat die Arbeitnehmerseite im SAP-Aufsichtsrat seit der Wahl eines Betriebsrates nicht mehr die Aufgaben der betrieblichen Interessenvertretung wahrzunehmen.

In einem solch veränderten Umfeld kann die Parole "very well alone" für die Arbeitnehmervertreter im SAP-Aufsichtsrat nicht mehr der Weisheit letzter Schluss sein. Vernünftigerweise sollten stattdessen zusätzliche Erfahrungen, Kontakte und Kooperationsmöglichkeiten auch außerhalb des Unternehmens mobilisiert und genutzt werden. Genau dies gedenken wir in die Aufsichtsratsarbeit zum Nutzen der SAP und ihrer Beschäftigten einzubringen. Über unsere persönlichen Kenntnisse und Fähigkeiten hinaus können wir uns dabei auf das Netzwerk der beiden größten freien Arbeitnehmerorganisationen der Welt mit ihren grenzüberschreitenden Verbindungen abstützen. Gerade für die Beschäftigten eines international agierenden Unternehmens wie SAP sollte dies in Zukunft von erheblichem Nutzen sein. Und: Wir sind der IG Metall und ver.di zwar aus ehrlicher Überzeugung verbunden. Aber wir sind keine klassischen Funktionäre und müssen uns auch nicht - wie das in gängigen Vorurteilen ja immer wieder anders behauptet wird - irgendwelchen Direktiven aus Gewerkschaftszentralen unterordnen.

Wir wären Ihnen sehr dankbar, wenn Sie sich unser Angebot zur Kooperation durch den Kopf gehen ließen. Es richtet sich an alle Delegierten aller Listen und selbstverständlich an alle künftigen Aufsichtsratsmitglieder. In einem effektiv und konstruktiv arbeitenden Aufsichtsrat darf es auf der Arbeitnehmerbank nach unserer Auffassung keine Fraktionen geben, sondern nur sachbezogene Zusammenarbeit im Interesse der Beschäftigten. Dafür stehen wir, deshalb bitten wir um Ihre Stimme für die gemeinsame Liste von IG Metall und ver.di.

Michael Schwemmle, Prof. Dr. Peter Wedde, 17.04.2007

 

Gewerkschaftsvertreter im SAP-Aufsichtsrat:

"More of the same" oder "die Mischung macht's"?

Das deutsche Mitbestimmungsgesetz schreibt in § 7 Abs. 2 vor, dass "in einem Aufsichtsrat, dem acht Aufsichtsratsmitglieder der Arbeitnehmer angehören, sechs Arbeitnehmer des Unternehmens und zwei Vertreter von Gewerkschaften" repräsentiert sein müssen. Die Mitwirkung der von gewerkschaftlicher Seite nominierten Aufsichtsratsmitglieder "erleichtert es" - so das Bundesverfassungsgericht in seinem legendären Mitbestimmungsurteil von 1979 -, "auch auf der Arbeitnehmerseite besonders qualifizierte Vertreter zu entsenden, und erscheint namentlich geeignet, einem ... 'Betriebsegoismus' entgegenzuwirken oder diesen doch zumindest abzumildern." Die Präsenz "externer Arbeitnehmervertreter" könne sich "vor allem in Fällen, in denen der Widerspruch zwischen kurzfristigen und langfristigen Arbeitnehmerinteressen besonders stark ist, zum Wohl des Unternehmens auswirken." Man muss kein gewerkschaftlicher Eiferer sein, um dieser Auffassung des höchsten deutschen Gerichts eine gewisse Plausibilität abzugewinnen. So weit, so gut.

Bei SAP verhält es sich nun im Aufsichtsrat allerdings bisher so, dass auch die beiden Gewerkschaftsvertreter auf der Arbeitnehmerseite Unternehmensangehörige sind - bei den vom Bundesverfassungsgericht gemeinten und für sinnvoll erachteten "Externen" handelt es sich im Falle SAP bis dato also tatsächlich um "Interne". In der Vergangenheit wurde dies u.a. mit dem Hinweis begründet, dass die Arbeitnehmervertreter im SAP-AR ja "im Zweitjob" als De-facto-Betriebsrat fungierten und deshalb allesamt betriebliche Insider zu sein hätten. Sollte dieses Argument je schlüssig gewesen sein, so ist es mit der Existenz eines Betriebsrates bei SAP zwischenzeitlich hinfällig geworden. Die Arbeitnehmerbank im künftigen SAP-Aufsichtsrat wird erstmals in der Unternehmensgeschichte "nur" Aufsichtsratsfunktionen haben, was wichtig und herausfordernd genug sein dürfte.

Gleichwohl treten auch für die nun anstehenden Aufsichtsratswahlen bei der SAP erneut zwei "Gewerkschaftslisten" an, auf denen ausschließlich Unternehmensangehörige kandidieren. Allein die gemeinsame Liste von IG Metall und ver.di hat mit Peter Wedde und mir zwei gewerkschaftsnahe "Externe" für den SAP-Aufsichtsrat nominiert. Nun geht es nicht darum, den auf der CGM- bzw. auf der DBV-Liste antretenden Kolleginnen und Kollegen ihre Qualifikation oder gar die Lauterkeit ihrer Motive abzusprechen. Und auch etwaige Zweifel an der tatsächlichen Bedeutung und Verankerung der Christlichen Gewerkschaft Metall (CGM) und des Deutschen Bankangestellten-Verbands (DBV) mögen hier für den Moment "außen vor" bleiben. Nein, es ist mit Herbert Grönemeyer schlicht und einfach zu fragen: Was soll das? Warum soll auf der Arbeitnehmerbank im SAP-Aufsichtsrat trotz veränderter Bedingungen das öde Prinzip "more of the same" vorherrschen? Wo ist die zusätzliche Qualität, wenn zu den ohnehin zu wählenden sechs Unternehmensangehörigen, deren profundes Wissen um die SAP-internen Prozesse, Probleme und Perspektiven für eine gute Aufsichtsratsarbeit unabdingbar ist, noch einmal zwei weitere "von innen" kommen, die nur unter anderem Label antreten?

Gerade in einem weltoffenen Unternehmen wie SAP spricht alles dafür, auch auf der Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat künftig Kompetenzen zu vernetzen, zusätzliches Know-How an zu zapfen und über althergebrachte Trennlinien hinweg produktiv zusammenarbeiten - eingedenk des vielfach bewährten Mottos, welches da lautet: "Die Mischung macht's!"

Michael Schwemmle, 26.03.2007

Siehe hierzu auch: SAP-Aufsichtsratswahl - Die Rolle der Externen

 

Zu den Wahlen

Warum kandidieren wir als externe Kandidaten für den Aufsichtsrat der SAP AG? Dies werden wir von SAP-Beschäftigten immer wieder gefragt. Für unsere Kandidatur gibt es eine Reihe von unterschiedlichen Gründen:

  1. Die Befassung mit der Entwicklung des IT-Sektors gehört für uns beide zu den Kernbereichen unserer beruflichen Tätigkeiten als Hochschullehrer mit einem Arbeitsschwerpunkt in der Ausbildung von Informatikerinnen und Informatikern bzw. als Geschäftsführer einer Consulting-Gesellschaft. SAP haben wir hierbei als erfolgreiches und faszinierendes Unternehmen kennen gelernt. Eine Mitwirkung im Aufsichtsrat dieses Unternehmens eröffnet nach unserer Überzeugung die Möglichkeit, uns sowohl für die Verankerung nachhaltiger Unternehmensstrategien als auch für die Interessen der Beschäftigten einzusetzen.

  2. Der künftige Aufsichtsrat wird sich den neuen Herausforderungen stellen müssen, die sich für SAP abzeichnen. Neben der Internationalisierung, dem zunehmenden Wettbewerbsdruck und der fortschreitenden Konzentration am Markt gehören hierzu insbesondere die immer konkreter werdenden Begehrlichkeiten von Finanzinvestoren. Kommt es in der Zukunft zu einem Einstieg von Finanzinvestoren bei der SAP, so werden deren Vertreter nach allen bisherigen Erfahrungen weder Rücksicht auf die spezifische Firmenkultur noch auf die Strategie eines langfristigen organischen Wachstums noch auf die Belange der Beschäftigten nehmen, wenn diese ihren kurzfristigen Renditekalkülen entgegen stehen. Für den Aufsichtsrat werden sich in dieser Situation neue Problemlagen und neue Konstellationen ergeben. Um diese richtig bewerten zu können, ist es nach unseren Erfahrungen in anderen Unternehmen und Bereichen wichtig, dass als Gegengewicht zu den externen Aufsichtsratsmitgliedern auf der Anteilseignerseite auch auf der Arbeitnehmerbank Fachleute „von außen“ vertreten sind. Das produktive Zusammenwirken externer Fachleute mit den betrieblichen Insidern auf der Arbeitnehmerbank sichert die Parität der Argumente im Aufsichtsrat.

  3. Wir sind als Kandidaten auf der gemeinsamen Gewerkschaftsliste von IG Metall und ver.di den Interessen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern herausragend verpflichtet. Wir wollen uns deshalb im Aufsichtsrat insbesondere dafür einsetzen, dass die Optimierung der Unternehmensgewinne nicht auf Kosten von Arbeitsplätzen gehen darf. Wir sind der Überzeugung, dass sich die Erfolgsgeschichte von SAP nur zusammen mit allen Stakeholdern fortschreiben lässt, die das Unternehmen auch bisher voran gebracht haben - und das sind in aller erster Linie die Beschäftigten. Im Aufsichtsrat werden wir uns deshalb dafür einsetzen, dass für die SAP die Motivation und Begeisterung ihrer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein bestimmendes Moment für die Ausrichtung der Geschäftspolitik bleibt.

  4. Wir gehören jeweils einer der beiden größten deutschen Gewerkschaften an - aus Überzeugung. Durchsetzungsstarke Gewerkschaften wie die IG Metall und ver.di haben in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass sie nachteilige Entwicklungen für Beschäftigte verhindern und gute Arbeitsbedingungen durchsetzen können: Z.B. gäbe es die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, die heute vielen als selbstverständlich erscheint, ohne die Gewerkschaften nicht. In der heutigen Zeit treten Gewerkschaften u.a. mit ihrem Einsatz für Mindestlöhne dafür ein, dass Arbeit nicht arm macht und nicht immer mehr Menschen zu „working poor“ werden - wir halten das für unterstützenswert. Wir wissen natürlich um die Vorbehalte, mit denen ursprünglich industriell geprägte Arbeitnehmerorganisationen gerade bei hochqualifizierten WissensarbeiterInnen im IT-Sektor zu kämpfen haben. Wir nehmen diese ernst, wir sehen aber auch - und wirken daran mit -, dass die IG Metall und ver.di sich den spezifischen Anliegen dieser Beschäftigten zunehmend öffnen und sich verändern. Damit das noch besser geht, brauchen Gewerkschaften in ihren Reihen selbstbewusste Individualisten aus erfolgreichen Unternehmen wie SAP. Und selbstbewusste Individualisten werden noch stärker durch eine handlungsfähige Gewerkschaft.

  5. Wir verbinden mit einem Engagement im Aufsichtsrat keine persönlichen finanziellen Interessen: Die Regularien des DGB, denen wir hier verpflichtet sind, sehen eine Abführung des größten Teils der Aufsichtsratsbezüge an die Hans-Böckler-Stiftung (www.boeckler.de) vor. Die Hans-Böckler-Stiftung unterstützt mit diesem Geld u.a. hochbegabte, aber finanziell nicht auf Rosen gebettete Studentinnen und Studenten. Das halten wir für sinnvoll.

  6. Wir sind keine klassischen Gewerkschaftsfunktionäre. Wir freuen uns um so mehr darüber, dass die Mitglieder der Gewerkschaften IG Metall und ver.di bei der SAP uns durch die Nominierung als unabhängige Kandidaten ihr Vertrauen geschenkt haben. Wir bieten den SAP-Beschäftigten im Gegenzug an, unsere spezifischen Fachkenntnisse und unser Engagement für ihre Interessen im Aufsichtsrat und für das langfristige Wohlergehen der SAP einzusetzen.

Peter Wedde, Michael Schwemmle

 

Wahlplakat

Das Wahlplakat für die SAP-Aufsichtsratswahlen 2007 können Sie hier herunterladen.